Gendern ist ein heiß diskutiertes Thema. Die einen lehnen es komplett ab, die anderen halten es für unverzichtbar. Und dann gibt es noch die Frage, welche Form denn nun „richtig“ ist.
Doch genau hier liegt das Missverständnis:
Es gibt nicht die eine richtige Lösung.
Wer sich mit Gendern beschäftigt, beschäftigt sich immer auch mit Sprache, Zielgruppen und Haltung.
Gendern oder nicht gendern – was ist die richtige Entscheidung?
Die Entscheidung für oder gegen das Gendern ist selten rein sprachlich. Sie ist strategisch.
Im Kern geht es um eine zentrale Frage:
Wen möchtet ihr mit euren Texten erreichen – und wen nicht?
Je nach Zielgruppe, Kontext und Kommunikationsziel kann die Antwort unterschiedlich ausfallen.
Wir selbst gendern in unseren Texten. Gleichzeitig sind wir der Meinung:
Gendern sollte kein Zwang sein.
Genauso wenig sollte es aber ein Aufreger sein, wenn jemand gendert.
Denn die Debatte hat auch etwas Gutes:
Sie zwingt dazu, bewusster über Sprache nachzudenken.
- Wen sprechen wir an?
- Wen schließen wir vielleicht unbewusst aus?
- Welche Haltung transportieren wir?
Genau diese Fragen machen Kommunikation besser.
Welche Formen gibt es beim Gendern?
Wer sich für das Gendern entscheidet, steht schnell vor der nächsten Frage: Wie genau?
Denn es gibt nicht die eine Schreibweise, sondern mehrere Varianten – mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen.
Ausgeschriebene Paarform
Die klassische Variante:
„Leserinnen und Leser“, „Kundinnen und Kunden“.
Sie ist verständlich und eindeutig.
Im Fließtext hat sie aber auch Nachteile:
- Sätze werden länger
- Texte wirken schnell schwerfällig
- Wiederholungen häufen sich
Außerdem gilt: Non-binäre Personen werden hier nicht automatisch mitgedacht.
Neutral gendern
Beispiele:
„Studierende“, „Mitarbeitende“
Diese Variante wirkt oft eleganter, weil sie:
- Platz spart
- den Lesefluss erhält
- beide binären Geschlechter einschließt
Der Haken:
Sie funktioniert nicht für alle Begriffe.
Gendern mit Binnen-I
„MitarbeiterInnen“, „KundInnen“
Das Binnen-I war lange eine verbreitete Lösung.
Vorteile:
- kompakt
- schnell erfassbar
Nachteile:
- wirkt für viele mittlerweile veraltet
- schließt non-binäre Personen nicht ein
Gendern mit Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich
„Mitarbeiter*innen“, „Kund:innen“, „Leser_innen“
Diese Varianten berücksichtigen den sogenannten Gender-Gap.
Das bedeutet:
Sie lassen bewusst Raum für mehr als zwei Geschlechter.
Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Barrierefreiheit:
- Sternchen und Unterstrich werden von Screenreadern oft mitgelesen
- der Doppelpunkt erzeugt meist nur eine Pause
Gerade im digitalen Kontext wird der Doppelpunkt deshalb häufig bevorzugt.
Welche Form des Genderns ist richtig?
Es gibt keine „richtige“ Form. Gendern ist keine Grammatikfrage. Es ist eine Frage der Haltung. Die verschiedenen Varianten existieren, weil sie unterschiedliche Ansätze verfolgen:
- Verständlichkeit
- Inklusion
- Lesbarkeit
- Barrierefreiheit
Entscheidend ist nicht, welche Form ihr wählt.
Sondern dass ihr euch bewusst entscheidet.
Wie sollte man sich für eine Genderform entscheiden?
Die Wahl der richtigen Form hängt immer vom Kontext ab.
Hilfreiche Leitfragen sind:
- Wer ist eure Zielgruppe?
- In welchem Medium veröffentlicht ihr?
- Wie wichtig ist Barrierefreiheit?
- Welche Tonalität passt zu eurer Marke?
Ein Corporate Wording oder eine klare Sprachregelung kann hier helfen, konsistent zu bleiben.
Warum die Diskussion um Gendern wichtig ist
Die Gender-Debatte zeigt vor allem eines: Sprache ist nicht neutral. Sie formt Wahrnehmung. Sie schließt ein oder aus. Und genau deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken – unabhängig davon, wie ihr euch am Ende entscheidet.

